Ausstellung „Mössinger Moderne“
Mössinger Moderne – Zur Geschichte der Löwenstein’schen Pausa (1919–1936)
Wertschätzung jüdischer Lebensleistungen und Beschreibung eines hoffnungsvollen Lebensgefühls
vor 1933 – Eine jüdische Geschichte von der Gründung, der Kooperation mit dem Bauhaus über
den Generalstreik bis zur Enteignung und Erinnerung an eine innovative Textilfabrik
Information des Löwenstein‐Forschungsvereins e.V. zur mobilen Wanderausstellung – Einladung zur Buchung und Präsentation in Schulen, in Bürgerhäuser und in öffentliche Räume.

Der Löwenstein‐Forschungsverein e.V. (LFV) in Mössingen hat in ehrenamtlicher Arbeit im Jahr 2024
eine mobile Wanderausstellung mit dem Titel „Mössinger Moderne“ erstellt und diese im Jahr 2025
erweitert. Die 28 Banner (freistehende RollUps) können in öffentlichen Räumen, in Rathäusern,
in Schulen, Tagungsstätten und Gemeindezentren auf Zeit gezeigt werden. Die Zielgruppe sind
Bürgerinnen und Bürger der Stadtgesellschaften sowie Schüler_innen.
Leitmotive der Ausstellung
Die Ausstellung „Mössinger Moderne“ stellt in ihrer Konzeption eine Neuheit dar. Es wird nicht nur
die Geschichte einer jüdischen Familie, die Geschichte des jüdischen Textilunternehmens Löwenstein’sche
Pausa und das antisemitische Verbrechen der Nationalsozialisten 1936 geschildert. Im
Vordergrund stehen die besonderen Leistungen der Familie Löwenstein, der damaligen Pausa, ihrer
Belegschaft und der dort tätigen Absolventinnen aus dem Bauhaus Weimar und aus dem Bauhaus
Dessau. Das Thema „Mössinger Moderne“ schildert das Lebensgefühl von Menschen in Mössingen in
den Jahren zwischen 1919 und 1936. Der Wunsch nach einer neuen Gesellschaft, nach Demokratie,
nach Frieden, nach persönlicher Emanzipation, nach neuer Kunst, Farben, Design, Mode, nach sozialer
und technischer Innovation prägten jene Jahre, die den Mössinger Generalstreik gegen Hitler am 31. Januar 1933 vorbereiteten. Die Ausstellung zeigt nicht nur die Opfer von NS‐Verbrechen sondern
wertschätzt die Kultur eines Aufbruchs, der von Jüdinnen und Juden, von Nicht‐Jüdinnen und Nicht‐
Juden, von Menschen, die vom Pietismus, vom Kommunismus, vom liberalen Denken, von der Sozialdemokratie beeinflusst wurden, geprägt war. Das Jahr 1933 begann nicht nur jüdisches Leben zu
bedrohen, sondern zerstörte ein starkes Lebensgefühl, eine Sehnsucht nach einer besseren Zukunft.
Der Weg zu einer demokratischen Moderne wurde ab 1933 blockiert.
Zur Geschichte der Löwenstein‘schen Pausa
Die Mechanische Weberei Pausa wurde 1919 von den Familien Helene und Felix sowie Flora und
Artur Löwenstein in Mössingen gegründet. Die Pausa bekannte sich bereits 1921 aktiv zur
Kultur des Bauhauses. Das Unternehmen produzierte sowohl aufwendige moderne Dekostoffe als
auch Textilien für den täglichen Gebrauch. Die jüdischen Bauhaus‐Schülerinnen Friedl Dicker, Lisbeth
Oestreicher und Ljuba Monastirskaja arbeiteten für die Löwenstein’sche Pausa. Nach der Ernennung
Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933, war es die Pausa’sche Belegschaft, die im Rahmen
des Mössinger Generalstreiks gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten demonstrierte. Bereits
1932 hatten sich die Löwensteins aktiv gegen den Nationalsozialismus geäußert. 1936 wurden
die jüdischen Familien Löwenstein von den Nationalsozialisten enteignet und aus Deutschland vertrieben. Es war ein antisemitisches Verbrechen. – 2007 gründete sich der Löwenstein‐Forschungsverein e. V. Dreiundsiebzig Jahre nach ihrer Vertreibung kamen auf Initiative des Löwenstein‐Forschungsvereins e.V. erstmals Nachkommen wieder nach Mössingen.
Verteidigung der Demokratie
„Die Ausstellung hebt die besondere Rolle der selbstbewussten Frauen, die Kompetenz der Bauhaus‐
Frauen, den Einfluss des Bauhauses, die neue Arbeitskultur im Betrieb, die Kultur des Infragestellens
von Gegebenem und die unermüdliche Innovationskultur der Löwenstein’schen Pausa mit ihren vier
Leitungsfiguren hervor. In den zwanziger Jahren entstand in der Steinlachstadt ein außergewöhnlicher
Mikrokosmos der demokratischen Moderne. Die Rück‐Erinnerung soll unsere heutige Fähigkeit zur
Verteidigung der Demokratie stärken.“ (Löwenstein‐Forschungsverein e. V.).
Anlass und Unterstützung
Die Ausstellung entstand in Erinnerung an Doris Angel (1924–2019), Tochter von Helene und Felix Löwenstein, und Harold Livingston (1923–2014), Sohn von Flora und Artur Löwenstein, die in den Jahren
2023 und 2024 ihre einhundertsten Geburtstage gefeiert hätten. Die Entstehung der mobilen Ausstellung wurde ermöglicht durch die Hilfe von Nachkommen der Familie Löwenstein, durch die Unterstützung der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen (LAGG), durch den Gedenkstättenverbund Gäu‐Neckar‐Alb e.V., durch die Stadt Mössingen sowie durch die Förderung der Landeszentrale für politische Bildung Baden‐Württemberg.

Einblicke in die Inhalte der Ausstellung „Mössinger Moderne“ / Gliederung
Die mobile Wanderausstellung ist nach mehreren Aspekten in Schwerpunkte gegliedert:
– Titelseite Mössinger Moderne
– Einblicke
– Zeitstrahl
– Was heißt „Mössinger Moderne“?
– Zur Geschichte der Löwenstein’schen Pausa 1919–1936 (Mechanische. Weberei Pausa)
– Flora und Arthur Livingston – Flora und Artur Löwenstein
– Helene und Felix Löwenstein-
– Familie Löwenstein mit ihren neun Kindern
– Großeltern aus Laupheim und Tauberbischofsheim
– Ausgewählte Stoffmuster für Tischdecken aus der Geschichte der Löwenstein’schen Pausa
– Die Künstlerin Ljuba Monastirskaja – Ljuba Monastirsky
– Die Künstlerin Lisbeth Oestreicher
– Die Künstlerin Friedl Dicker
– Lily Hildebrandt und ihr Netzwerk
– Jüdische Spuren im Mössinger Generalstreik
– Enteignung und Vertreibung der Familie Löwenstein
– Felix Löwenstein und die Firma HELIOS in Manchester
– Künstlerische Arbeiten in HELIOS
– Die Klage der Familie Löwenstein gegen Richard Burkhardt und Willi Häussler und andere
– Doris Angel – Doris Löwenstein
– Harold Livingston – Helmut Löwenstein
– Löwensteinplatz
– Die Bedeutung der Löwenstein´schen Pausa – damals und heute
– Demokratie‐Erklärung des Löwenstein‐Forschungsvereins e.V.
– Über die Arbeit des Löwenstein‐Forschungsvereins e.V.
– Der Löwenstein‐Forschungsverein e.V. sagt Danke
Konditionen
Die Ausstellung ist kostenfrei buchbar und benötigt keine handwerklichen Aufwände beim Aufbau.
Nur Platz und ausreichend Licht sind Voraussetzungen. Der Aufbau erfolgt durch den LFV und dauert
ca. zwei Stunden. Der Abbau durch den LFV dauert ca. 90 Minuten. Es wird um eine Aufwandsentschädigung für die PKW‐An‐ und Rückfahrten zu Aufbau wie Abbau (Benzingeld) gebeten.
Kontakt: verein@loewenstein‐forschungsverein.de