Pausa und Bauhaus

Im Jahr 2009 jährte sich zum 90sten Mal die Gründung der Pausa durch Felix und Artur Löwenstein und die Gründung des Bauhauses durch Walter Gropius. Beide gehen auf das Jahr 1919 zurück. Es ist ein Doppeljubiläum.

Der Besuch der Familie Löwenstein im Juli 2009 in Mössingen erbrachte auf dem Gebiet der Bauhaus-Diskussion geradezu eine Sensation. Waren Fachleute bislang davon ausgegangen, das die Brüder Löwenstein zwar mit dem Ansatz des Bauhauses in Weimar und Dessau sympathisierten, aber diese Sympathien nicht wirtschaftlich umgesetzt wurden, so konnten Doris Angel und Harold Livingston gemeinsam mit dem Löwenstein-Forschungsverein ein besonderes, vergessenes und verdrängtes „Geheimnis“ lüften:
Erstmals wurden am 23. Juli 2009 von Welf Schröter Fotos derjenigen Tischdecken gezeigt, die die Mitglieder des Löwenstein-Forschungsvereins bei ihrem Besuch Monate zuvor in Manchester aufgenommen hatten. Artur und Felix Löwenstein haben Bauhaus-Design in der Pausa der späten zwanziger Jahre gedruckt und verkauft. Doris Angel bestätigte bei ihrer Rede in der Mössinger Stadtbücherei, dass ihr Vater Felix eng mit dem Bauhaus-Ansatz verbunden war und dass die gezeigten Stoffe aus der Mössinger Löwenstein-Ära der Pausa stammen. 

Aus Sicht des Löwenstein-Forschungsvereins ist es deshalb zulässig und angeraten, davon zu sprechen, dass die alte Mössinger Pausa ein Bauhaus-Produktionsstandort gewesen ist.

Irene Scherer, die Vorsitzende des Löwenstein-Forschungsvereins, legte dies in ihrer Rede beim Empfang dar:

„Heute wissen wir, dass die Pausa vor ihrer Zwangsenteignung durch die Nationalsozialisten nicht nur im Denken von Felix und Artur Löwenstein mit dem Bauhaus verbunden waren. Die Nähe zum künstlerischen Wirken des Bauhauses in Weimar und Dessau ist auch nicht nur durch die Briefwechsel der Löwensteins mit dem Initiator des Bauhaus-Konzeptes, Walter Gropius belegt. Hinzu kommt die Anwesenheit von Ljuba Monastirskaja. Diese Künstlerin war von 1929 bis 1932 als Leiterin des künstlerischen Ateliers, des Entwurfsbüros, bei der Pausa in Mössingen tätig. Heute wird sie von der Kunst- und Designgeschichtsschreibung als eine der großen Bauhaus-Frauen gefeiert. Sie gehörte 1927 zur renommierten Webereiklasse in Dessau. Im Jahr 2001 wurde sie von der Forschung wieder entdeckt. Ihre Kollegin in der Webereiklasse Otti Berger überlebte die Vorgehensweise der NS-Diktatur gegen das Bauhaus nicht. Sie wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Nicht erst nach 1945 hat sich die Pausa unter neuer Leitung in die Tradition des Bauhauses gestellt. Wir können heute mit Fug und Recht sagen, dass die Pausa vor 1933 ein realer Produktionsstandort der Bauhauskunst gewesen ist. Mössingen war vor dem Zugriff der Nazis ein aktiver Bauhausstandort. „Die Pausa hat für das Bauhaus gearbeitet.“ Dies zeigte auch die von Walter Gropius angestoßene Präsentation von Pausa-Stoffen auf der Pariser Weltausstellung im Mai 1930. Diese Pausa-Tradition gilt es wieder freizulegen und zu pflegen.“

Der Löwenstein-Forschungsverein will Fördermittel einwerben, um kleinere Forschungsaufträge zu vergeben. Sie sollen unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Mössingen, Weimar und Dessau offen legen. Sie sollen auch die Geschichte vor Ort näher erkunden.

In seinem Vortrag „Die Pausa und das Bauhaus“ am 21. September 2009 während des Pausa-Kulturherbstes hat Hermann Berner die Beziehungen zwischen der Pausa und der Tradition des Bauhauses ausführlich erläutert.